Natur in der Stadt


Die Stadt von morgen muss kompakter sein und räumlich verdichtet werden. Welchen Platz räumen wir der Natur ein im städtischen Betondschungel? Die Stadt grüner zu gestalten trägt erheblich zur Lebensqualität in der Stadt bei. Aber eine grünere Stadt muss nicht unbedingt bedeuten, mehr grosse Grünflächen mit englischem Rasen anzulegen. Es kann auch heissen, Bäume und Bänke in den zahlreichen städtischen Nischen zu errichten oder ungenutzte Räume der Bevölkerung in Form eines Quartiergartens zur Verfügung zu stellen.

Quartiergärten zu schaffen, und so mehr Natur in die Stadt zu bringen, ist ein wahrer Akt der Nachhaltigkeit.

Aus ökologischer Sicht

Die Begrünung der Städte trägt dazu bei, die städtische Umgebung attraktiver zu gestalten. Vor allem in den Augen derjenigen, die es ins Grüne zieht. In diesem Sinne trägt die Natur in der Stadt zur Verminderung der Zersiedelung bei und hilft, die Übernutzung von Boden (eine nicht erneuerbare Ressource) zu drosseln. Auch werden verschiedene Umweltbelastungen eingedämmt, welche aus dem motorisierten Individualverkehr hervor gehen (CO2- Emissionen, Feinstaub, Lärm). Ausserdem wirkt sich die Integration neuer pflanzlicher Elemente positiv auf die Biodiversität aus: als Pfeiler des grünen Netzes einer Stadt fördern sie die Vielfalt, das Überleben und die Verbreitung städtischer Pflanzenarten.

Aus wirtschaftlicher Sicht

Die Begrünung steigert die Qualität des städtischen Gebietes und somit auch dessen Wert. Dies ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor in der Standortwahl von Firmen und Haushalten.

Aus sozialer Sicht

Die Natur in der Stadt erhöht das Wohlbefinden der Bevölkerung. Wenn die Planung der natürlichen Räume erfolgreich, ihr Unterhalt gesichert und der Zugang zu ihnen garantiert ist, kommt die Natur in der Stadt allen zugute. Ausserdem wird durch die Umgestaltung gewisser öffentlicher Räume ein angenehmeres Umfeld geschaffen, wo sich das Sicherheitsgefühl der Anwohner generell erhöht. Das Vorhandensein von Grün erhöht die Nutzung des öffentlichen Raums und begünstigt eine hohe soziale Durchmischung (Kinder, Eltern, ältere Menschen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Studenten, Migranten usw.) und den sozialen Austausch.

Für die Gesundheit

In vielen Bereichen hat die «urbane Natur» einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung*:

Die Natur, insbesondere Bäume, schützen vor schädlichen Umwelteinflüssen (Luftverschmutzung, Lärm, Hitze, Überschwemmungen usw.). Ausserdem reguliert die Vegetation das Mikroklima und reduziert – im Gegensatz zu betonierten Oberflächen – bei hoher Hitze die Temperatur.

Sie fördert die Entspannung und vermindert den Stress, indem sie es der Bevölkerung ermöglicht, sich im Freien aufzuhalten, fern vom Verkehr, ein natürliches Licht zu geniessen, ihre Sinne zu stimulieren und eine positive ästhetische Erfahrung zu machen.

Sie begünstigt körperliche Aktivität. In einer natürlichen Umgebung können die Bewohner spazieren, joggen, Fahrrad fahren, inlineskaten, skateboarden, Trottinett fahren, usw.

Eine wissenschaftliche Studie zeigt ebenfalls den positiven Einfluss auf die Gesundheit auf. Die Autoren betrachten Resultate verschiedener Studien von den 70er Jahren bis heute, welche sich mit dem Einfluss der Natur auf die menschliche Gesundheit befassen. Es lassen sich zwei grosse Kategorien unterscheiden: Einflüsse auf die Gesundheit des «Sehens von Natur» und solche des «Aufenthalts in der Natur». Es ist bewiesen, dass man schneller gesund wird in einem Spitalzimmer mit Sicht ins Grüne. Ebenso vermindert der «Kontakt mit der Natur» Angst, Stress und Wut. Diese Befunde plädieren dafür, die Städte grün zu halten.

*«Health Impact Assessment of greenspace: A Guide», published by greenspace Scotland, June 2008.

°Maller, C., Toesend, M. et al. «Healthy nature healthy people: contact with nature as an upstream health promotion intervention for population.», In Health Promotion International, 2006.